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Interview mit Sven Krüger zur Digitalisierung im Schadenmanagement

Sven Krüger, CEO der Eucon Group, erklärt im Interview mit Europäische Versicherungswirtschaft 4.0 (EVW 4.0), welche Innovativen und kostensenkenden Möglichkeiten im Schadenmanagement durch KI-basierte Verfahren für die Versicherungswirtschaft entstanden sind und wo weiteres Potenzial besteht. Das Interview steht als PDF zum Download zur Verfügung.

Interview mit Sven Krüger zur Digitalisierung im Schadenmanagement

Die Versicherungsbranche setzt im Schadenmanagement vermehrt auch auf KI-Technologien. Diese beurteilen in Echtzeit Schäden für Versicherungsnehmer sowie Regulierer und steigern die Effizienz von Prozessabläufen. Eucon hat die KI-basierte Produktlinie Smart Claims entwickelt, die Bewertungsabläufe im Schadenmanagement End-to-End automatisiert und Vorbeurteilungen durchführt. Dafür wurde der digitale Pionier unter anderem mit dem „Digital Leader Award“ und dem „Digitalen Leuchtturm Versicherungen“ der Süddeutschen Zeitung und Google ausgezeichnet.

EVW 4.0: Guten Tag Herr Krüger, vielen Dank dass Sie sich die Zeit für den Dialog genommen haben. Was assoziieren Sie ad hoc mit Versicherungswirtschaft 4.0?

Sven Krüger: Die Zukunft von Versicherern ist vernetzt. Geschäftsprozesse müssen sich in die digitale Wertschöpfungskette integrieren. Nicht mehr die Produkte stehen im Vordergrund, sondern der Kunde mit seinen vielfältigen Ansprüchen, für die er eine möglichst einfache, schnelle und integrierte Lösung erwartet.

EVW 4.0: Wie schätzen Sie den aktuellen Entwicklungsstand von KI-Technologien im Schadenmanagement in Deutschland und weltweit ein?

Sven Krüger: KI-Systeme sind zunehmend in der Lage, Prozesse im Schadenmanagement zu automatisieren. Wenn es um den Einsatz von KI geht, sind die deutschen Versicherer bislang allerdings noch zurückhaltend. Schauen wir hingegen ins Ausland, zum Beispiel nach Amerika oder Asien, sind die Entwicklung und der Einsatz von KI-Technologien deutlich schneller und stärker verbreitet. Unternehmen wie Lemonade oder Ping An machen uns vor, was mit KI alles möglich ist. Deutsche Versicherer müssen mutiger werden, sind aber gerade was das Thema Innovationsbereitschaft angelangt bereits auf einem sehr guten Weg.

EVW 4.0: Welche Automatisierungen im Bereich KI sollten Ihrer Meinung nach in der Versicherungswirtschaft zum Standard werden?

Sven Krüger: Ganz sicher die KI-gestützte Schadenabwicklung. Hier unterstützt KI schon heute die Erfassung und Prüfung von Schadenfällen. Eine große Chance für die Zukunft sehen wir in der automatisierten Regulierung von Schäden anhand von Fotos. Wir forschen intensiv an Verfahren der Bilderkennung, um den Schadenumfang mithilfe von Algorithmen einfach zu ermitteln und die Schadenbearbeitung noch weiter zu vereinfachen.

EVW 4.0: Welche Architekturen sollte ein Unternehmen sicherstellen, um grundsätzlich Systeme mit Künstlicher Intelligenz zu integrieren?

Sven Krüger: Als Digitalisierungspartner der Versicherer stellen wir unseren Kunden die Systeme für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz als Service zur Verfügung. Diese lassen sich einfach in die bestehenden Prozesse integrieren.

EVW 4.0: Welche Probleme sehen Sie beim Datenmanagement und der Verlässlichkeit der KI? Und welche Überprüfungsmechanismen gibt es?

Sven Krüger: Eine KI benötigt Daten, auf deren Basis sie lernen kann. Selbstverständlich muss die Datenbasis fortlaufend aktualisiert werden. Menschliche Experten müssen die Ergebnisse kontinuierlich überprüfen und Feedback zurück an das System geben.

EVW 4.0: Datenschutz und -sicherheit spielen eine wichtige Rolle beim Aufbau einer hybriden Cloud-Infrastruktur. Wie stellen Sie diese sicher?

Sven Krüger: Wir erfüllen die hohen Anforderungen der Versicherungsbranche an den Datenschutz und die Datensicherheit. Datenbanken und Server sind durch Verschlüsselungstechnologien vor Zugriffen von außen geschützt.

EVW 4.0: Was für ein eignungsdiagnostisches Anforderungsprofil müssen KI-Experten bzw. Data Scientists mitbringen, die in der Versicherungsbranche arbeiten möchten?

Sven Krüger: Eine logische und analytische Denkweise und Programmierkenntnisse sind Schlüsselqualifikationen. Diese erfüllen besonders Naturwissenschaftler wie Physiker und Mathematiker, aber auch Wirtschaftsinformatiker. Spezifisches Branchenwissen ist natürlich von Vorteil.

EVW 4.0: Wie stellen Sie sich die optimale App für den Kunden im Schadenfall vor? Können wir uns das so vorstellen, dass Ihre Technologie beispielsweise die Fotoaufnahmen des Anwenders auswertet und von Schaden zu Schaden präziser in der Analyse wird?

Sven Krüger: Optimalerweise wird der Kunde im gesamten Schadenprozess intelligent unterstützt. Die KI-gestützte Schadenbewertung anhand von Fotos wird ein wichtiger Service auf dem Weg zu vollständig digitalisierten Prozessen werden. Indem neue Daten generiert werden, lernt die KI und kann zunehmend komplexere Vorgänge unterstützen. Dadurch wird das System kontinuierlich besser. Eine geführte Schadenmeldung in Echtzeit ist bereits heute möglich.

EVW 4.0: Laut unserer Recherche haben Schadenerfassungs-Apps bei Konsumenten noch keine hohe Marktbekanntheit, da diese nur wenige Tausende bis Zehntausende Downloads haben. Was empfehlen Sie der Versicherungsbranche, um die Bekanntheit von KI-basierten Schadenerfassungs-Apps zu steigern und das Vertrauen in diese neue Technologie zu stärken?

Sven Krüger: Tatsächlich sind die digitalen Services häufig nicht bekannt. Deshalb ist es wichtig, gut über Funktionsweise und Nutzen zu informieren. Das Smartphone wird den PC als wichtigsten Zugang zum Internet kurzfristig ablösen. Es wird daher zunehmend zur Gewohnheit werden, Schäden mobil zu erfassen. Es reicht allerdings nicht, einfach eine Schaden-App auf den Markt zu bringen. Um im Lebensalltag der Kunden einen festen Patz einzunehmen, müssen Versicherer sich in Ökosysteme integrieren und ihren Kunden auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote bereitstellen. Die Schadenmeldung ist nur ein Teil davon.

EVW 4.0: Aktuell prüfen nach einer KI-gestützten Prognose Experten die Ergebnisse. Können wir davon ausgehen, dass in Zukunft die KI ihre Prognosen vollständig autonom vollziehen wird und somit die Überprüfung durch die Experten entfällt?

Sven Krüger: Erfahrungen zeigen, dass 50 % aller Schadenbelege in Ordnung sind. Unsere Lösung kombiniert KI-Modelle mit Regelwerken, um diese OK-Fälle frühzeitig zu erkennen. Die Maschine unterstützt bei der Entscheidung, ob ein Beleg automatisiert reguliert oder manuell begutachtet werden sollte. Die Prüfung von komplexen Schadenfällen bleibt weiterhin hochqualifizierten Experten vorbehalten.

EVW 4.0: Zum Abschluss: Wie stellen Sie sich Schadenmanagement im Jahr 2030 vor?

Sven Krüger: Das Schadenmanagement wie wir es heute kennen, wird nahezu obsolet. Prozesse werden mithilfe von KI und der damit verbundenen schnellen Verarbeitung großer Datenmengen automatisiert ablaufen. Schäden werden digital erfasst, bewertet und reguliert. Menschen werden steuernd eingreifen und die Regelwerke vorgeben.

Erstveröffentlichung in der Reihe „Schadenmanagement“ am 15. Dezember 2019

Verfasst von Eucon Group